«Gestein ist das Ergebnis von Prozessen wie Sedimentation, Verwitterung und metamorphen Umwandlungen, die über Millionen von Jahren stattfinden. Seit Anbeginn der Erde baut es sich auf, zerfällt, um sich dann wieder aufzubauen. So gesehen, befindet sich Gestein in einem kontinuierlichen Kreislauf von Zerfall und Neuaufbau. Aufgrund dieses stetigen Prozesses enthält Gestein eine Vielzahl von Informationen über die Vergangenheit. Risse oder gar Brüche zeugen von Momenten der Spannung, Bewegung, Druck und Teilung. Fossilien geben Einblick in die Vergangenheit, erzählen von Lebewesen früherer Zeiten. Versteinerte Ammoniten vergegenwärtigen die Zeit, als ein Urmeer das Land bedeckte. Der Mensch ist das Gegenteil eines Steines. Sein Körper ist fragil, altert und unterliegt der Zeit. Das Ende seiner Existenz ist die beschwerliche Bürde, die er zu tragen hat.
Betrachtet man die existenzielle Dimension des menschlichen Daseins, so erscheint Gestein als nahezu unvergänglich. Durch seine Beständigkeit symbolisiert es seit jeher die Sehnsucht des Menschen nach dem Ewigen. So verwendet der Mensch den Stein selbst über den Tod hinaus als sichtbares Mal seiner einstigen Präsenz in der Welt. Grabsteine oder Urnen repräsentieren den entmaterialisierten Körper. In Form von Gedenkstätten steht er als vermittelndes Emblem zwischen Epochen und Generationen und ist stummer Zeuge von goldenen Zeiten, Krieg und Zerstörung.
Formal betrachtet zerbricht jedoch auch das massivste Gestein im Laufe der Zeit. Von Natur aus unterliegt es Diskontinuitäten, die den steten Aufbau des Gesteins unterbrechen. Äussere Einflüsse, darunter auch die Bearbeitung durch den Menschen, schwächen die innere Struktur. Dementsprechend zerfallen letztendlich auch die stabilsten menschengemachten Steingebilde.»
«Dis/-Kontinuität»
MA-Thesis | Juni 2023
Enea Bortone | Grafikatelier
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